Venedig: die Biennale zum Anfang.
15. Juni 2026Die Biennale der Kunst fordert uns heraus, irritiert und lässt uns bisweilen ratlos zurück. Und doch: Wer Venedig nur wegen der Kunst besucht – oder wegen ihrer scheinbaren Unverständlichkeit meidet –, verpasst eine der sinnlichsten Städte der Welt. Ein Plädoyer für die Lagunenstadt, abseits des Trubels.
Die Biennale der Kunst: Schöner Anlass, rätselhaftes Erlebnis
Alle zwei Jahre verwandelt sich Venedig in die Welthauptstadt der zeitgenössischen Kunst. Die Biennale di Venezia – gegründet 1895, also älter als manch ein Nationalstaat – bespielt die Giardini und das Arsenale mit Installationen, Videos, Skulpturen und Konzepten aus aller Welt. Pavillons von über 80 Ländern, Tausende von Werken, Monate der Vorbereitung.

Und dann steht man davor. Vor einem leeren Raum mit einer surrenden Neonröhre. Vor einem Berg aus zerbrochenen Tellern. Vor einem Video, das seit 47 Minuten läuft und in dem eine Stimme Zahlen rezitiert.

Zeitgenössische Kunst setzt kein Schönheitsversprechen voraus – sie verlangt Auseinandersetzung, zuweilen Geduld, manchmal schlicht die Bereitschaft, sich unwohl zu fühlen. Das ist keine Schwäche des Betrachters. Es ist das Konzept. Wer erwartet, sofort zu verstehen, erwartet zu viel. Wer sich jedoch einlässt – auf die Atmosphäre, auf das Unbehagen, auf den Dialog zwischen Werk und Raum – der findet oft mehr, als er suchte.
Und selbst wenn nicht: Venedig bleibt.
Eine Stadt, die älter ist als jede Ausstellung

Venedig wurde nicht gebaut. Es wurde erfunden. Auf Pfählen ins Meer gerammt, auf Inseln zusammengewachsen, durch Kanäle verbunden und durch Brücken überbrückt. Keine andere europäische Stadt trägt ihre Entstehungsgeschichte so offen im Gesicht wie diese – jeder Palast ein Kapitel, jeder Kanal ein Zeitsprung.
Die Altstadt ist UNESCO-Weltkulturerbe und verändert sich gleichzeitig täglich: das Licht auf dem Wasser um sechs Uhr morgens ist nicht dasselbe wie um zehn. Die Reflexionen in den Kanälen malen Bilder, die kein Künstler in den Giardini überbieten kann. Wer versteht, dass Venedig selbst das grösste Kunstwerk ist, wird die Biennale mit anderen Augen sehen.
Allein durch die Gassen: Die andere Stadt
Venedig zieht jährlich Millionen von Besuchern an. Der Grossteil davon konzentriert sich auf wenige Kilometer: Markusplatz, Rialtobrücke, die Riva degli Schiavoni. Wer diesen Hotspots ausweicht, entdeckt eine andere Stadt.
Sestiere wie Cannaregio, Santa Croce oder Castello haben kaum veränderte Gassen, in denen Wäsche zwischen den Fenstern hängt, ein Kiosk die Gazzetta dello Sport anbietet und die Kinder der Nachbarschaft Fussball spielen. Kein Souvenirshop. Kein Selfie-Stativ. Nur das leise Plätschern des Wassers und das Echo der eigenen Schritte auf dem Stein.

Venedig ist eine der wenigen Grossstädte der Welt, in der man sich zu Fuss und ohne Karte verlaufen darf – und dabei nicht verloren geht, sondern ankommt. Wer früh aufsteht und die Nebenrouten wählt, bewegt sich durch eine Stadt, die noch schläft, noch atmet, noch gehört niemandem ausser sich selbst.
Paläste und Museen: Schönheit auf Weltniveau
Venedig bietet neben der Biennale ein kulturelles Angebot, das seinesgleichen sucht.
Die Gallerie dell’Accademia beherbergen die bedeutendste Sammlung venezianischer Malerei vom 14. bis ins 18. Jahrhundert – Bellini, Tizian, Tintoretto, Veronese. Ein einziger Besuch reicht nicht. Die Peggy Guggenheim Collection im Palazzo Venier dei Leoni am Canal Grande ist das Gegenteil: modernes 20. Jahrhundert, von Picasso bis Pollock, in einem der wenigen einstöckigen Palazzi der Stadt, der sich mit Garten direkt ans Wasser öffnet.
Das Palazzo Grassi und das nahe gelegene Punta della Dogana – beide im Besitz des Sammlers François Pinault – zeigen Gegenwartskunst auf höchstem kuratorischem Niveau, in Gebäuden, die allein schon den Besuch rechtfertigen.

Die Ca‘ d’Oro, eines der schönsten gotischen Gebäude der Stadt, beherbergt die Galleria Franchetti mit Mantegnas berühmtem «San Sebastiano».
Und wer die Kirchen betritt – Santa Maria dei Frari, San Zaccaria, San Giovanni e Paolo – findet dort Werke, die in jedem anderen Museum Weltruhm geniessen würden. Hier hängen sie einfach. Zwischen Kerzen und Marmorboden. In manchen Kirchen findet man aus Anlass der Biennale hie und da künstlerische Perlen der Gegenwartskunst – als eine Art PopUp-Museum.
Kulinarik: Mehr als Pasta und Prosecco
Venedigs Küche ist eine Küche des Meeres und des Marktes. Der Mercato di Rialto, am frühen Morgen besucht, zeigt, was die Lagune hergibt: Schrimps, Sepien, Muscheln, Branzino, Dorade. Die venezianische Küche ist ehrlich, saisonal, und weit raffinierter als ihr Ruf.
Ein Cicchetti-Abend in einer der alten Bacari – kleinen Weinbars in Cannaregio oder Dorsoduro – ist eine Volksküche auf höchstem Niveau: kleine Häppchen auf Brot, ein Glas Ombra (ein kleines Glas Weisswein), Gespräche an der Theke. Für wenig Geld, mit viel Atmosphäre.
Wer etwas gehobener speisen möchte, findet in Restaurants wie der Trattoria Antiche Carampane unweit des Rialto eine bodenständige Küche von ausserordentlicher Qualität – oder im Alle Testiere, einem winzigen, schwer zu buchenden Lokal in Castello, eines der überzeugendsten Meeresfrüchtemenues der Stadt. Und: äusserst erwähnenswert ist die legendäre Gelateria Nico am Nordufer des Dorsoduro-Quartiers, die dank der phänomenalen Qualität des Angebots einen täglichen Besuch lohnt – besonders an der abendlichen Sonne mit ungestörtem Blick auf Giudecca.
Warum es sich lohnt – auch ohne Kunstverstand
Man muss die Biennale nicht verstehen, um von ihr berührt zu werden. Und man muss Venedig nicht erklären können, um zu spüren, dass diese Stadt etwas tut mit einem.
Es ist kein Zufall, dass Venedig seit Jahrhunderten Kaufleute, Dichter, Maler, Architekten und – ja – auch Investoren anzieht. Die Stadt hat etwas, das sich nicht kopieren lässt: eine einzigartige Verbindung aus Vergänglichkeit und Bestand, aus Schönheit und Verfall, aus Weltoffenheit und intimem Rückzug.
Wer in Immobilien denkt – in Qualität, in Lage, in Wert, der bleibt – der versteht Venedig intuitiv. Hier ist nichts zufällig entstanden. Jeder Stein hat einen Preis bezahlt, um an genau diesem Ort zu liegen.
Nicht zuletzt deshalb bietet Christie’s International Real Estate in der Stadt Venedig und deren unmittelbaren Umgebung aktuell rund 20 wirklich exklusive Immobilien zum Kauf an, darunter auch Palazzi direkt am Canal Grande.
Die Biennale öffnet das Tor zur Stadt. Was dahinter wartet, ist grösser als jede Ausstellung.
Allgemeine Information zur Biennale
Die Biennale der Kunst Venedig findet in den ungeraden Jahren statt und dauert von April bis November. Eintritt Giardini & Arsenale: ca. 30 CHF.
Für einen Besuch empfehlen sich Frühherbst oder Frühling – das Licht ist besser, die Gassen leerer.