Alles über Rum und eine exklusive Immobilie.

8. Juni 2026

Es war lange das Getränk der Piraten, der Plantagenarbeiter, des billigen Cocktails auf der Badeliege. Heute steht Rum in Bars, die nach puristischer Eleganz streben – in Glaskaraffen, die eigens für ihn gefertigt wurden, neben Flaschen, die Sammler für fünfstellige Summen ersteigern. Der Aufstieg ist bemerkenswert. Und er ist kein Zufall.

 

Ron Zacapa XO, gereift in einer Mischung aus Eichen-, Sherry- und Cognacfässern. Ein Rum für alle, die die Tiefe von Whisky mit tropischer Eleganz verbinden möchten.
Quelle: Kent Street Cellars

Die Welt der Premium-Spirituosen erlebt eine Verschiebung der Gravitationszentren. Während Scotch Whisky und Cognac ihre Stammkunden verlässlich bedienen, sucht eine neue Generation anspruchsvoller Trinker nach etwas Unverbrauchetem – nach Tiefe ohne Dünkel, nach Herkunft ohne Hermetik. Rum bietet all das, und er tut es mit einer sinnlichen Grosszügigkeit, die keine andere Spirituose so mühelos verkörpert.

Von der Badeliege in die Bibliothek

Was hat sich verändert? Zunächst: die Konsumenten selbst. Wer heute einen zwanzigjährigen Rhum Agricole aus Martinique oder eine limitierte Single-Cask-Abfüllung aus Barbados in die Hand nimmt, tut dies mit demselben Ernst, den er einem Grand Cru Classé entgegenbringen würde. Die Fragen, die zählen, sind dieselben: Woher? Wie lange gereift? In welchem Holz? Was sagt der Boden?

Der Qualitätssprung im Rum begann schleichend in den 1990er-Jahren mit der Rückkehr der Tiki-Kultur und beschleunigte sich im folgenden Jahrzehnt, als eine Handvoll ambitionierter Destillerien begannen, das zu tun, was der Whisky-Industrie jahrzehntelang den Ruf gesichert hatte: Transparenz über Herkunft, Alter und Produktion zu schaffen. Heute folgen zahlreiche Produzenten diesem Modell, und der Markt belohnt sie dafür.

Die neuen Ikonen: Vier Destillerien, die Massstäbe setzen

Nicht jeder Rum ist gleich. So wie es zwischen einem Dorfwein aus dem Supermarkt und einem Premier Cru Welten gibt, existiert im Rum-Universum ein breites Spektrum zwischen industrieller Massenware und hochartisanaler Handwerkskunst. Wer einsteigen will, orientiert sich an einigen verlässlichen Namen:

Aus Barbados: Foursquare Distillery
Von Kennern als «Patek Philippe des Rums» bezeichnet – limitierte ECS-Abfüllungen mit ausgeprägter Sammlernachfrage und nachgewiesener Wertsteigerung.

Aus Martinique: Rhum Agricole AOC
Hergestellt aus frischem Zuckerrohrsaft statt Melasse, mit kontrollierter Herkunftsbezeichnung – das Burgund unter den Rums.

Aus Guatemala: Ron Zacapa XO
Gereift in einer Mischung aus Eichen-, Sherry- und Cognac-Fässern in 2’300 m Höhe. Ein Rum für jene, die Whisky-Tiefe mit tropischer Eleganz vereinen möchten.

Aus Jamaika: Appleton Estate
Altersangaben bis zu 30 Jahren, tiefes kulturelles Erbe. Ein Portfolio-Anker für ernsthafte Sammler mit globalem Wiedererkennungswert.

Die Rum-Renaissance und was sie antreibt

Hinter dem Trend stehen mehrere Kräfte, die zusammenwirken.

Erstens: der Hang zum Premiumprodukt bei Menschen, die es sich leisten wollen. Immer mehr Menschen – und hier deckt sich der Rum-Markt bemerkenswert mit dem Luxusimmobilienmarkt – entscheiden sich für weniger, aber Besseres. Statt sechs durchschnittliche Flaschen im Jahr lieber eine aussergewöhnliche. Statt grosser Fläche in mittlerer Lage lieber der perfekte Grundriss an der richtigen Adresse.

Zweitens: das Bewusstsein für Herkunft und Handwerk. Der Craft-Cocktail-Markt wuchs allein in den USA im Jahr 2023 um 18 Prozent. Rum-basierte Cocktails machten dabei knapp 30 Prozent der Premium-Umsätze aus. Mixologinnen und Mixologen, die sich früher an Whisky und Cognac orientierten, entdecken im Rum eine Flexibilität, die dem edlem Scotch schlicht fehlt: Das Spektrum reicht von ätherisch-frisch über buttrig-karamellig bis zu torfig-rauchig. Keine andere Spirituose bietet diese Bandbreite.

Drittens schliesslich: der Faktor Zeit. Alter Rum ist rar. Die Alterung in tropischem Klima verläuft – begünstigt durch hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit – deutlich rasanter als in schottischen Lagerhäusern, dafür sind die Fässer kleiner, die Mengen begrenzter. Wer heute eine 25-jährige Single-Cask-Abfüllung kauft, erwirbt etwas, das sich nicht in beliebiger Menge reproduzieren lässt. Das ist die Logik des Raren – und sie funktioniert.

Der Wert gereifter, limitierter Abfüllungen wird primär durch Seltenheit und Sammlernachfrage bestimmt – nicht durch tägliche Marktschwankungen.

Rum trinken mit Haltung

Wer den Rum-Genuss kultivieren möchte, beginnt nicht mit der teuersten Flasche, sondern mit Neugier und Struktur. Eine gute Hausbar braucht keine hundert Flaschen. Sie braucht Tiefe auf wenigen, sorgsam gewählten Positionen. Drei bis fünf Rums aus unterschiedlichen Regionen und Stilen – darunter mindestens ein Aged Rum mit zehn oder mehr Jahren – genügen, um Besuchern einen echten Horizont zu eröffnen.

Das Glas spielt eine grössere Rolle, als gemeinhin angenommen. Ein Tulpenglas, das die Aromen bündelt, macht den Unterschied zwischen einem flüchtigen Eindruck und einem vollständigen Geschmackserlebnis. Wasser, sparsam eingesetzt, öffnet viele Rums auf eine Weise, die an das Entkorken eines Burgunders erinnert. Und Geduld – jene Tugend, die im Umgang mit allem Guten gefragt ist.

Rum als Investment: Spirituose und Kapitalanlage

In Grossbritannien und zunehmend auch auf dem europäischen Festland hat sich eine kleine, aber wachsende Szene von Rum-Investoren etabliert. Das Prinzip ähnelt dem des Whisky-Investments: limitierte Abfüllungen aus renommierten Destillerien, idealerweise mit transparenter Altersangabe und nachvollziehbarer Produktionsgeschichte, legen im Wert zu, weil das Angebot sinkt, während das Interesse steigt. Premium-Rum-Importe wuchsen zwischen 2020 und 2023 um 20 Prozent – ein Indikator, der Anleger aufhorchen lässt.

Die Analogie zur Welt der Luxusimmobilien ist dabei keine blosse Metapher. Beide Märkte belohnen Geduld. Beide profitieren von Knappheit und Lage – ob es sich um einen Altbau in erstklassiger Lage handelt oder um einen Rum aus einem Jahrgang, der nie wiederkehrt. Und in beiden Segmenten entscheidet letztlich die Kombination aus Qualität, Provenienz und dem richtigen Moment.

Der beste Rum ist nicht zwingend der teuerste. Er ist jener, den man mit der richtigen Person, in der richtigen Umgebung trinkt – vielleicht am Abend, wenn das Licht auf dem See steht und die Stille gross genug ist, um einem zwölf Jahre alten Barbados-Rum seine Geschichte erzählen zu lassen.

In Bermuda investieren

Unter den vielen Inselstaaten, die Rum zu ihrem Markenzeichen gemacht haben, nimmt Bermuda eine besonders interessante Nische ein. Dank ihres einzigartigen Klimas und ihrer maritimen Lage bringt die Insel Rumsorten hervor, die geschmeidig und doch kraftvoll, komplex und doch einladend sind.

Goslings ist ein Familienunternehmen, das seit dem frühen 19. Jahrhundert Rum herstellt. Illustration: Coen Pohl; Bild verlinkt mit dem Online-Magazin Luxury Defined

Bermudischer Rum tendiert oft zur dunkleren Seite – reichhaltige, auf Melasse basierende Destillate, die den Duft von Meeresluft, vermischt mit braunem Zucker und Gewürzen, heraufbeschwören. Das bei der Gärung verwendete, durch Kalkstein gefilterte Wasser trägt zu seiner Reinheit und Ausgewogenheit bei, während die Reifung in den feuchten Kellern der Insel seine Farbe und sein Aroma vertieft.

Und wo sich Duft und Aroma von Rum mit der frischen Meeresluft vermischt, lässt sich auch bestens investieren. Christie’s International Real Estate, der internationale Partner von Wüst und Wüst, hat kürzlich in einem Online-Beitrag eine Immobilie vorgestellt, die nicht nur zum Träumen anregt sondern – ausreichend flüssige Mittel vorausgesetzt – sich käuflich erwerben lässt: Chelston Estate.

Der Panoramablick von der Veranda ist einfach atemberaubend.
Quelle: Luxury Defined; Bild: Nhuri Bashire / Burnt House Productions

Chelston ist zwar kein altes Anwesen, nimmt jedoch einen wichtigen Platz im Bewusstsein von Generationen von Bermudianern und amerikanischen Auswanderern ein, die die kleine Insel zu ihrer Heimat gemacht haben. Das Ende der 1930er-Jahre erbaute Anwesen diente von 1964 bis 1998 als offizielle Residenz des US-Generalkonsuls. So wurde es zur beeindruckenden Kulisse für die grossen Feierlichkeiten zum 4. Juli, zu denen im Laufe der Jahre Tausende von Inselbewohnern zu Feuerwerken und Picknicks auf den weitläufigen Rasenflächen eingeladen wurden.

Der Pool nutzt die wunderschöne Umgebung und das milde Klima optimal aus.
Quelle: Luxury Defined; Bild: Nhuri Bashire / Burnt House Productions

Karin Sinclair von Sinclair Realty Bermuda Christie’s International Real Estate beschreibt das Anwesen, das am Rande der Inselhauptstadt Hamilton erbaut wurde, als «einzigartig». «Bermuda ist eine absolut herrliche – wenn auch winzige – Insel mit einer Fläche von nur 21 Quadratmeilen (54 km²). Das 14 Acres (5,7 ha) grosse Wohnanwesen in Chelston ist ohne Frage eine echte Rarität», sagt sie. «Aber diese 14 Acres bieten auch erstklassige Lage direkt am Strand von Grape Bay – man denke an rosa Sand und türkisfarbenes Wasser – und man kann zu Fuss in die Stadt gehen. Es ist das Beste aus allen Welten.»

Doch es ist der Ausblick von den Häusern aus, der die Besucher beeindrucken wird, die das Glück haben, auf das Anwesen eingeladen zu werden. «Schon von der Empfangshalle aus ist der Blick auf den Atlantik einfach atemberaubend», sagt Sinclair. «Vom Wohnzimmer aus gelangt man auf eine tiefe, nach Süden ausgerichtete Veranda. Öffnet man die Fenstertüren, spürt man das Rauschen des Meeres.»