Kopenhagen – immer einen Besuch wert.
24. August 2026Kaum eine Stadt verbindet skandinavische Zurückhaltung, mutige Architektur und öffentlichen Lebensraum so überzeugend wie Kopenhagen. Das Fachmagazin archdaily widmet der dänischen Hauptstadt gerade einen umfassenden Architekturführer mit 44 prägenden Bauten, aufgeteilt auf vier Stadtquartiere – Anlass genug, einige der eindrücklichsten Highlights genauer zu beleuchten. Dazu: wo sich ein Besuch auch kulinarisch lohnt und wie komfortgewohnte Reisende aus der Schweiz am besten anreisen.
Die Welthauptstadt des menschengerechten Bauens
Kopenhagen gilt seit Langem als globale Referenz für massstäbliches, lebenswertes Bauen. Heute verbindet die Stadt diesen Ruf zunehmend mit neuen Anforderungen an Klimaanpassung, zirkuläres Bauen und dichte, durchmischte Quartiere. 2025 fand hier zum ersten Mal die Copenhagen Architecture Biennial statt, unter dem Motto «Slow Down» – eine Auseinandersetzung damit, wie Architektur auf globalen Veränderungsdruck reagieren kann, indem sie das Tempo des Wandels neu denkt. 2026 widmete sich zudem die 13. Ausgabe des Designfestivals 3daysofdesign dem Thema «Make This Moment Matter» und ruft die internationale Designwelt dazu auf, sich von digitalem Rauschen und Massenproduktion zu lösen. Charakteristisch für die zeitgenössische dänische Architektur ist dabei ein Grundprinzip: Infrastruktur soll immer auch Gemeinschaftsraum sein – sei es ein Kraftwerk, das zur Skipiste wird, oder ein Parkhaus mit Spielplatz auf dem Dach.
Ein Streifzug durch vier Stadtquartiere
Der archdaily-Guide führt gezielt durch vier Zonen der Stadt: den historischen Kern samt Hafen, die nördliche Erweiterung mit Nordhavn, Østerbro und Bispeparken, das «westliche soziale Gefüge» sowie die südliche Achse mit Amager, Ørestad und Sydhavn. Vertreten sind renommierte dänische Büros wie BIG, Henning Larsen und JAJA Architects ebenso wie internationale Namen wie OMA und WilkinsonEyre – ein Zeichen dafür, wie sehr Kopenhagens Stadtentwicklung heute auch von aussen mitgeprägt wird.
CopenHill: Wenn ein Kraftwerk zum Erlebnisberg wird
Kaum ein Bauwerk bringt die dänische Architekturphilosophie besser auf den Punkt als CopenHill, offiziell Amager Bakke genannt, im Süden der Stadt. Das von Bjarke Ingels und seinem Büro BIG entworfene Müllheizkraftwerk verarbeitet jährlich rund 440’000 Tonnen Abfall und versorgt hunderttausende Haushalte mit Strom und Fernwärme – und trägt auf seinem markanten, keilförmigen Dach eine 450 Meter lange, ganzjährig befahrbare Skipiste sowie die höchste Kletterwand der Welt. Ingels selbst nennt das Konzept «hedonistische Nachhaltigkeit»: Eine nachhaltige Stadt soll nicht nur der Umwelt, sondern auch dem Alltag der Menschen dienen. Von der Aussichtsplattform auf 85 Metern Höhe reicht der Blick über die ganze Stadt bis hinüber nach Schweden.
Vom Getreidesilo zur Adresse, von der Brücke zum Kunstwerk
Wie konsequent Kopenhagen Bestehendes weiterentwickelt statt abzureissen, zeigt The Silo im Hafenviertel Nordhavn: Das Kopenhagener Büro Cobe verwandelte ein ausgedientes Getreidesilo aus den 1960er-Jahren in ein Wohnhochhaus mit charakteristischer, leicht auskragender Fassade – ein Musterbeispiel für die im Land zunehmend gepflegte Praxis des «Weiterbauens im Bestand». Ähnlich poetisch, wenn auch deutlich kleinteiliger, ist die Cirkelbroen-Brücke des isländisch-dänischen Künstlers Olafur Eliasson im historischen Zentrum: Fünf kreisrunde Plattformen unterschiedlicher Grösse, die wie aufgereihte Boote wirken, führen Fussgänger und Velofahrer in Schlangenlinien über einen Kopenhagener Kanal – eine Schenkung der Nordea-Stiftung an die Stadt.
Spielplätze, Bibliotheken und wilde Natur vor der Haustür
Auch im Kleinen zeigt sich Kopenhagens architektonischer Anspruch. Park’n’Play des Büros JAJA Architects verwandelt ein gewöhnliches Parkhaus im Quartier Lüders in eine farbenfrohe, terrassierte Struktur mit Spielplatz und Loungeflächen auf dem Dach. Im Stadtteil Tingbjerg hat Cobe mit dem Tingbjerg Library and Culture House einen einladenden Kultur- und Bibliotheksbau realisiert, der als soziales Ankerprojekt für ein Quartier mit besonderem Entwicklungsbedarf konzipiert wurde. Und im Südosten der Stadt, an der südlichen Achse Amager, haben die Büros ADEPT und LYTT Architecture den 35 Quadratkilometer grossen Nature Park Amager – Kopenhagens grösstes Naturschutzgebiet, nur wenige Minuten vom Rathausplatz entfernt – mit einer Reihe zurückhaltender, aus dunkel gebranntem Holz gefertigter Aussichtspunkte neu erschlossen: ein Vogelbeobachtungsturm, ein Wanderboardwalk und mehrere «Blaue Basen» am Wasser laden dazu ein, Wattflächen, Moore und Wälder unmittelbar vor den Toren der Stadt zu erleben, ohne die geschützte Natur zu beeinträchtigen.
Auch kulinarisch ganz vorne dabei
Wer schon in Kopenhagen ist, sollte die Stadt auch gastronomisch auskosten. Mit 31 Michelin-Sternen auf 21 Restaurants verteilt zählt Kopenhagen zu den dichtesten Sternerestaurant-Destinationen Europas ausserhalb von Paris. An der Spitze steht das Drei-Sterne-Haus Geranium von Rasmus Kofoed, spektakulär auf der achten Etage des Fussballstadions Parken gelegen, mit einer rein vegetarisch-maritimen, rund 20-gängigen Menüfolge. Ebenfalls drei Sterne tragen Jordnær in Gentofte sowie, als jüngster Neuzugang, Kadeau, das die Küche der Ostseeinsel Bornholm nach Kopenhagen bringt. Wer das legendäre Noma kehrte im im August 2026 mit einem neuen Konzept – zwölf thematisch wechselnden «Jahreszeiten» – an seinen angestammten Ort in Christianshavn zurück, direkt neben einem von BIG gestalteten «Gartendorf» aus Gewächshäusern und kleinen Pavillons.
Komfortable Anreise aus der Schweiz
Kopenhagen ist ab der Schweiz unkompliziert und schnell erreichbar. SWISS und SAS fliegen mehrmals täglich nonstop von Zürich nach Kopenhagen; die reine Flugzeit beträgt lediglich rund 1 Stunde 45 Minuten; ab Genf sind es rund 2 Stunden 20 Minuten. Für ein besonders angenehmes Reiseerlebnis lohnt sich die Business Class, mit Priority Check-in, Lounge-Zugang und freiem Mittelsitz auf der Kurzstrecke. Auch am Ziel bleibt es komfortabel: Der Flughafen Kopenhagen-Kastrup ist über eine fahrerlose Metro in rund 15 Minuten direkt mit der Innenstadt verbunden – wer es noch bequemer mag, bucht einen privaten Transfer direkt zum Hotel.
Fazit: Der richtige Moment für einen Besuch
In Kopenhagen tritt jeweils nach den manchmal aufgrund der Ferienzeit etwas überlaufenen Sehenswürdigkeiten wieder Ruhe ein. Im Spätsommer und Herbst zeigt die Stadt, dass gute Architektur, öffentlicher Raum und kulinarischer Genuss keine Gegensätze sein müssen, sondern sich gegenseitig verstärken können. Für Menschen mit Interesse an Architektur und Kunst dürfte es daher kaum ein besseren Zeitpunkt für einen Besuch geben.